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Ratgeber zu Naziangriffen

Bedrohungen und Angriffe durch Nazis sind leider keine Seltenheit. Dazu gehören auch verbale Beschimpfungen und Einschüchterungen und nicht erst körperliche Angriffe. Diese können sich gegen alle Menschen richten, die nicht in das menschenverachtende Weltbild der Nazis passen. Eine Mischung aus rassistischen Ressentiments und Männlichkeitswahn ist ausschlaggebend für diese Angriffe. Für die Opfer bedeutet das oft erhebliche Verletzungen und die Angst, sich künftig ungeschützt in der Öffentlichkeit zu bewegen.
Ein solcher Überfall ist jedoch nicht nur für die Opfer traumatisch. Denn gemeint ist ja nicht der individuelle Mensch, sondern die Gruppe, für die er oder sie steht. Deswegen wirkt jeder Übergriff einschüchternd auf viele Menschen, die dann zum Beispiel in ihrer Lebensqualität beschränkt werden, weil sie aus Angst Orte meiden, wo sie Nazigewalt befürchten. Gewalt und Einschüchterung durch Nazis können jedoch nur Erfolg haben, wo passiv geblieben und weggesehen wird. Dieser Text soll im Folgenden die Handlungsoptionen bei rechte oder rassistischen Angriffen aufzeigen.

Hinweise für angegriffene Personen

Im Vorfeld

Seid ihr durch rechtsextreme oder rassistische Angriffe gefährdet, solltet ihr euch möglicherweise auf einen Ernstfall vorbereiten. Sinnvoll ist es, Angebote zu nutzen, die Kenntnisse über Selbstverteidigung vermitteln. Diese werden unter anderem von Volkshochschulen, Universitäten oder Vereinen angeboten. Waffen mögen ein Gefühl der Sicherheit suggerieren, sind jedoch im Ernstfall ein zusätzliches Risiko. Gassprays wie CS-Gas oder Pfefferspray sollten z.B. nicht in Innenräumen oder bei Gegenwind eingesetzt werden. Auch der Besitz kann unter Umständen rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Hilfreich sind auch akustische Geräte, die einen ohrenbetäubenden Lärm produzieren und Andere alarmieren.

Auch beim Auftreten in der Öffentlichkeit gibt es einige Hinweise: Nazis suchen sich ihre Opfer in der Regel nicht willkürlich aus.
Wer hat denn schon gern ein Opfer, das sich wehrt? Gefragt ist also eine Ausstrahlung, die anderen mitteilt: „Nicht mit mir!“ Dazu ist es wichtig, dass du Blickkontakt zur_zum potentiellen Angreifer_in hältst. Nimm keine Opferhaltung ein.
Sei in jedem Fall vorbereitet – das nützt dir in verschiedener Hinsicht. Du versteinerst nicht vor Schreck und kannst dich auf einen möglichen Angriff einstellen. Bist du in einer Gruppe unterwegs könnt ihr euch kurz über euer Vorgehen abstimmen.

Bei einem Angriff
Je nach dem wie der Angriff ausfällt, kann kluges Verhalten unterschiedlich aussehen. In erster Linie gilt es Ruhe zu bewahren. Vermeide Flehen, Unterwürfigkeit oder panisches Verhalten, da dies die Angreifer_innen ermutigen. Falls sich in der Umgebung andere Menschen befinden, versucht diese in die Situation einzubeziehen und Hilfe einzufordern. Sprecht die Leute dazu direkt an.

Da Nazis meist aus einer Überzahl heraus angreifen, ist es besser sich von den Angreifer_innen zu entfernen. Falls ihr in einer Gruppe unterwegs seid, zieht euch geschlossen zurück und lasst niemanden dort. Entzieht euch Situationen durch Flucht, wenn die Angreifer_innen Waffen wie Messer einsetzen wollen.
Solltet ihr keinen Rückzugsraum haben oder es besteht die Möglichkeit, könnt bzw. solltet ihr euch verteidigen. Dabei solltet ihr entschlossen sein. Eine effektive Verteidigung könnt ihr über die vorher genannten Wege erlernen.

Nach dem Angriff
Entfernt euch möglichst vom Ort des Geschehens. Solltet ihr oder euch begleitende Personen verletzt sein, ruft einen Krankenwagen oder geht in ein Krankenhaus.
Seid ihr dann wieder zu Hause ist eine Dokumentation des Vorfalles sinnvoll. Schreibt ein Gedächtnisprotokoll, in dem ihr genau aufzeichnet, was passiert ist, an welchem Ort und ob ihr Nazis wiedererkannt habt. Dieses solltet ihr eurer lokalen Antifagruppe zukommen lassen. So kann euch weitergeholfen werden und der Übergriff politisch ausgewertet werden.

Zum Umgang mit der Polizei
Sicher stellt ihr euch die Frage, ob es sinnvoll sein kann, nach einem Angriff die Polizei zu rufen und Anzeige zu erstatten. Eine eindeutige Antwort können wir euch nicht geben, da wir schon die Erfahrung machen mussten, dass die Strafverfolgungsbehörden am Ende gegen die Opfer und die Menschen ermittelt haben, die sich mit ihnen solidarisierten. Oft verschweigt oder verschleiert die Polizei Nazi-Übergriffe und ihre eigene Unzulänglichkeit. Auf der anderen Seite kann bei eindeutiger Beweislage eine Anzeige dazu führen, dass die Täter_innen verurteilt werden, so eine Zeit lang in den Knast müssen und als Gefahr auf der Straße erstmal verschwinden.
Bei Problemen mit der Polizei empfehlen wir die Kontaktaufnahme mit der Roten Hilfe in eurer Nähe.

Hinweise für Zeug_innen von Angriffen

Solltet ihr Zeug_innen eines Angriffes von Nazis auf Migrant_innen, Punks, Linke o.a. Personen werden, so ist es zunächst einmal wichtig hinzuschauen. Gewalttäter_innen rechnen fast immer damit, dass Außenstehende aufgrund von Gleichgültigkeit oder Angst nichts tun. Umso wichtiger ist es, nicht wegzuschauen, sondern Aufmerksamkeit zu erzeugen, denn Öffentlichkeit wirkt immer abschreckend auf Täter_innen.
Bevor ihr dem Opfer zur Hilfe eilt, solltet ihr jedoch genau überlegen, was ihr eigentlich tun wollt und euch dabei vor allem nach euren Fähigkeiten richten.

Wichtig ist, erst mal Ruhe bewahren!
Gewalttäter_innen haben Angst wiedererkannt zu werden. Deshalb kann bereits bloßes Beobachten der Situation auf diese abschreckend wirken. Solltet ihr euch für diese Option entscheiden, ist es notwendig genau hinzuschauen. Versucht euch das Gesicht der Täter_innen genau einzuprägen. Achtet auf markante Details aber auch auf Äußerlichkeiten wie Klamotten. Sollte der_die Angreifer_in die Flucht ergreifen, merkt euch, in welche Richtung er_sie gelaufen ist!
Darüber hinaus solltet ihr zumindest Blickkontakt zum Opfer aufnehmen. Zeigt ihm, dass es nicht allein ist und ihr anwesend seid, um zu helfen. Das vermindert die Angst.

Zudem solltet ihr euch umschauen und weitere Hilfsmöglichkeiten abschätzen. Vielleicht gibt es ja irgendwo in der Nähe ein Telefon, von dem aus ihr Hilfe rufen könnt.
Geht auch auf andere Leute zu und fordert sie auf, euch zu helfen. Eine Gruppe von Leuten hat meist mehr Einfluss als eine Einzelperson und schreckt Gewaltäter_innen oft ab. Wenn ihr Verbündete gefunden habt (aber auch ohne diese), sprecht die Täter_innen gezielt an. Seid dabei höflich aber bestimmt und lasst euch vor allem nicht provozieren! Siezt die Täter_innen, das hebt erstens die Gewaltschwelle und zweitens vermeidet ihr so den Eindruck, dass es sich lediglich um einen privaten Konflikt handelt.

Sprecht mit dem Opfer. Animiert es, zu euch zu kommen, falls das möglich ist. Bietet konkret eure Hilfe an! Das bringt euch und dem Opfer Zeit, bestärkt die bedrohte Person und kann gegebenfalls sogar deeskalierend wirken. Stellt euch auf jeden Fall offensiv auf die Seite des Opfers und lasst die_den Betroffene_n nicht allein.

Nur wenn ihr euch ganz sicher seid, die Angreifer_in händeln zu können, ist es ratsam, die Täter_innen mit „einfacher körperlicher Gewalt” zum Ablassen vom Opfer zu bewegen. Wichtig ist, dass ihr eure Fähigkeiten dabei realistisch einschätzt, sonst hat niemand etwas davon.
Wenn alles vorbei ist, kümmert euch um die_den Betroffene_n. Ruft gegebenenfalls einen Krankenwagen. Meldet den Vorfall bei der Arbeitsstelle Rechtsextremismus und Gewalt (ARUG) in Braunschweig und uns. Informiert auch in jedem Fall eure lokale Antifa. Diese kann euch in vielen Fällen mit weiterem Rat und evtl. auch Tat zur Seite stehen!

Es gilt sich darüber klar zu werden, dass Nazis, ihr Gedankengut und rechte Gewalt eine immense Gefahr – auch für deine körperliche Unversehrtheit – darstellen. Organisier dich gegen Nazis und faschistische Tendenzen in der Gesellschaft. Werde aktiv und hilf mit ihre Vorstöße abzuwehren und ein gesellschaftliches Bewusstsein zu schaffen, das allen Menschen weltweit ein gutes und freies Leben ermöglicht.