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Homepage der Antifaschistischen Aktion Hannover [AAH]

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Über uns

Die Antifaschistische Aktion Hannover [AAH] ist seit 2001 Teil der radikalen Linken in Hannover. Auch wenn es seitdem Umsetzungen (so z.B. 2005 und 2007) und Generationswechsel gegeben hat, versucht die Gruppe weiterhin eine kontinuierliche antifaschistische und linksradikale Politik über Szenegrenzen hinaus wahrnehmbar zu machen.
Im folgenden Text, dem Grundsatzpapier von 2008, stellen wir uns ausführlich vor:

Im Oktober 2007 spaltete sich ein Teil der Antifaschistischen Aktion Hannover ab und gründete eine neue Gruppe. Der pluralistische Ansatz, den die [AAH] seit ihrer (Neu-)Gründung im Februar 2005 verfolgte, war in dieser Form an ein Ende gekommen. Es wurde immer schwieriger, konzeptionell unterschiedliche politische Ansätze zu verbinden, vor Allem in Hinblick auf die Ausweitung der Praxis über klassische Antifa-Arbeit hinaus. Perspektivlosigkeit und Einschränkungen in der Handlungsfähigkeit waren die Folge.

Seit der Spaltung haben wir eine intensive Diskussion über unsere Positionierung innerhalb der radikalen Linken, unsere Praxis, unsere Gesellschaftsanalyse und unsere Struktur geführt. Dieser Prozess wird niemals abgeschlossen sein, er ist Bestandteil unserer politischen Praxis. Von daher kann dieses Papier nur als vorläufiges Ergebnis angesehen werden.
Dennoch wollen wir unsere Positionen und Analysen transparent machen. Sie sind nicht weniger als unsere gemeinsam erarbeiteten Standpunkte, die Grundlage unserer Praxis.

Antifaschistische Aktion Hannover [AAH]
im März 2008

Antifaschistische Aktion Hannover – Grundsätze
Wir haben ein Ziel: Soziale Revolution. Wir kämpfen für die Abschaffung jeglicher Unterdrückung – für Herrschaftsfreiheit nicht nur hier, sondern überall. Deshalb ist unser antifaschistischer Kampf mehr als nur die Verteidigung des Status quo gegen Faschismus. Unsere Perspektive geht über das bestehende Ganze hinaus.
Die [AAH] versteht sich als Teil der antifaschistischen Bewegung. Wir sind weiterhin eine strömungsübergreifende Gruppe. Das Ausfechten dogmatischer Positionen blockiert uns, verwickelt uns in gesellschaftlich irrelevante Szenekonflikte und verhindert effektive politische Praxis.
Das Existenzrecht Israels steht nicht zur Diskussion, Kritik an Israel ist nicht per se antisemitisch. Wir sind keine “RealsozialistInnen” und vertreten auch keine unstrukturiert-anarchistischen Ansätze.
Unser Ansatz ist dennoch kein undiskutiertes Nebeneinander der verschiedenen politischen Linien. Aus der Diskussion verschiedener Standpunkte und Analysen entsteht ein inhaltlicher Fortschritt, der sich nicht in identitärer Wahrheitssuche oder inhaltsleerer Beliebigkeit verliert. Als Produkt dieser Auseinandersetzung ist dieser Text entstanden.

Die Überwindung des Kapitalismus beseitigt nicht automatisch alle anderen Herrschafts- und Unterdrückungsmechanismen und ist ohne deren Bekämpfung nicht erreichbar.
Während beispielsweise Konkurrenz und Unterdrückung der strukturell Schwächeren als Normalität des Kapitalismus die Ungerechtigkeit von Sozialdarwinismus, Sexismus oder Rassismus legitimieren, bietet die von Rassismus und Sexismus behauptete biologische Ungleichheit und Ungleichwertigkeit ein Mittel, die durch den Kapitalismus geschaffene ungleiche Macht- und Ressourcentverteilung als unabänderlich bzw “natürlich” darzustellen. Solche Vorgänge gegenseitiger Reproduktion, Verstärkung und Verschachtelung finden in unterschiedlicher Form zwischen vielen, wenn nicht allen, Kategorien von Unterdrückung statt. Es ist uns daher zu einfach, den Kapitalismus ins Zentrum zu stellen, zumal er beispielsweise die weiter zurückreichende Geschichte des Patriarchats und die Veränderungen im Laufe der Zeit alleine nicht erklären kann. Deswegen gibt es für uns aufgrund der vielschichtigen und verschiedenartigen Machtverhältnisse kein alleiniges Zentrum. Kapitalismus betrachten wir aber aufgrund seiner systemischen Ausdifferenziertheit, seiner Auswirkungen auf existenzielle Bereiche und seine Einwirkung in viele Dimensionen als eine zentrale Kategorie

Kapitalismus ist für uns mehr als nur das Eigentumsverhältnis an den Produktionsmitteln. Neben der umfassenden Wirkung auf der ökonomischen Ebene bestimmt Kapitalismus gesellschaftliche Machtverhältnisse, (verinnerlichte und/oder auferlegte) Zwänge und Normalitäten. Er produziert gesellschaftliches Elend und ist -gemeinsam mit anderen Systemen wie Staat, Religion oder Biologismen – wichtiges Element bei der Ausbildung von Selbstverständnis und Identität jedes Einzelnen.

Der Staat funktioniert für uns zum einen als Organisationsfläche des Kapitalismus. Wir möchten ihn aber nicht unterordnend darauf reduzieren, denn der Staat hat auch eigene Ein- und Ausschlussmechanismen nach innen und außen. Die Mechanismen wirken zum einen in einer (kapitalistischen) Verwertungslogik, die nur qualifizierte “Ausländer” nach Deutschland lässt und “Arbeitsunwillige” stigmatisiert und von Ressourcen ausgrenzt. Zum anderen ist der Staat darüber hinaus auch mit einem irrationalen Moment von Volk und Nation besetzt. In dieser Dimension des Staates tritt die Verwertungslogik hinter den völkischen Rassismus zurück, der auch für andere Kategorien wie Geschlecht oder sexuelle Identität und Orientierung ein sehr bestimmtes “Normalitätsbild” festlegt. Hier behauptet der Staat EIN gemeinsames Interesse des Volkes, dass “seiner Art und Kultur” entspricht. “Kultur” ist hier ein unabänderliches Gebilde, das bei der Geburt die gemeinsamen Einstellungen, Interessen, Vorlieben und Abneigungen ihrer Mitglieder auf Lebenszeit unabänderlich vorbestimmt. Unterschiedliche Interessen in Arbeitsverhältnissen, zwischen den Geschlechtern oder sexuellen Ausrichtungen, MigrantInnen und NichtmigrantInnen oder anderen gesellschaftlichen Gruppen werden dadurch verschleiert und auch die Kategorien selber rücken neben “Volk” und “Kultur” ins Unsichtbare. Da die Zugehörigkeit zu diesen Kategorien durch “Abstammung” bestimmt ist und “Kultur” in dieser Bedeutung die Funktion von Rasse übernimmt, gelten sie – und damit auch alle in sie hineinverschobenen Normalitäten, die in den anderen Kategorien ausgekämpft werden könnten – als “natürlich” und unveränderlich. Dieses geschieht auch im Eigeninteresse des Staates, der sich damit als naturgegeben und unangreifbar präsentieren will.

Dass der deutsche Staat sich gleichzeitig als Repräsentant von Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit aufspielt, ist nichts als blanker Hohn. Die als Beispiele genannten Unterdrückungskategorien sind für ihn in unterschiedlichem Maße konstitutiv, ohne sie hätte er Schwierigkeiten, weiterhin zu bestehen. Jede einzelne dieser Kategorien bietet ihm einen Nutzen. Der Nutzen kann darin bestehen als “Gegenpol”, dem negative Eigenschaften zugeschrieben werden, die eigene positive Identität zu definieren und Vormachtstellungen so zu legitimieren. Oder daraus, nur über “die Anderen” zu sprechen und so das eigene Machtzentrum aus dem Blickfeld zu rücken. Er kann auch daraus bestehen, soziale Ungerechtigkeiten und Ungleichvertreilung von Macht nach innen zu rechtfertigen. Deswegen gebraucht und reproduziert der Staat letztendlich alle diese Kategorien, um seine eigene Position zu sichern und auszubauen.
Seine oben genannten angeblichen Ideale sind für uns deshalb nur in einer befreiten Gesellschaft jenseits von Staat und Kapital zu erreichen, in denen das Ziel nicht die Herrschaft eines diffusen “Volkes”, die der Mehrheit über die Minderheit und somit letztendlich des Menschen über den Menschen ist.
Deswegen lehnen wir auch Demokratie in ihrer Eigenschaft als Spielform des Staates als Teil des abschaffenswerten Ganzen ab.

Seit dem Zusammenbruch des Ostblocks und der weltweiten Durchsetzung des Kapitalismus sind die herrschenden Zustände weniger als je zuvor an Staatsgrenzen gebunden. Deswegen muss unsere Antwort ebenfalls international sein. Wir verstehen uns als Teil einer internationalen Bewegung, in der es revolutionäre Gruppen mit emanzipatorischer Praxis und Zielsetzung gibt. Diese Bewegung dient uns sowohl als Rückzugs- und Schutzraum, in der ein Mindeststandard an struktureller Gewaltfreiheit zu halten versucht wird und in der sich unsere Diskussionen und unsere Praxis entfalten, als auch als offensive Kraft, die die herrschenden Zustände bekämpfen kann. Hierarchische Strukturen und Herrschaft können nicht vorrangig individuell verhandelt werden. So wichtig die Nutzung von Szene-Ressourcen in der politischen Arbeit ist, so wenig sind sie mit dem Kampf gegen die Gesellschaft zu verwechseln. In der Szene können wir Diskussionen auf anderem Level, in anderer Klarheit und mit unserem nächsten politischen Umfeld diskutieren. Unser primäres Feld bleibt der Kampf gegen das falsche Ganze.
Um in diesem Kampf wirkungsmächtig, kontinuierlich und in der Struktur verbindlich arbeiten zu können, organisieren wir uns in der [AAH]. Diese Form der Organisierung entspricht unserem Ziel. Die Form, die Mittel unserer Praxis richten wir sowohl am Maßstab der Wirkungsmächtigkeit als auch an unseren Inhalten aus. Nicht an Gesetzen und nicht an der “Reinheit der Lehre”. In sozialen Zusammenhängen entstehen unvermeidlich Hierarchien. Diese transparent, diskutier- und angreifbar zu machen und so ihre Grenzen kontrollieren zu können, das verstehen wir als verantwortungsbewussten Umgang mit Gruppenstrukturen.
Um gesamtgesellschaftliche Wahrnehmbarkeit zu erhöhen, suchen wir Bündnisse mit fortschrittlichen Kräften. Dabei gilt es, sich weder instrumentalisieren zu lassen, noch hinter die eigenen Standards zurückzufallen. Auch in der Zusammenarbeit mit Gruppen außerhalb der Szene bleiben wir, was wir Sind – GegnerInnen der Gesamtscheiße. Um diese abzuschaffen müssen wir mit denen in Kontakt gehen, die das (noch) nicht so sehen.Die Antifaschistische Aktion Hannover [AAH] ist seit 2001 Teil der radikalen Linken in Hannover. Auch wenn es seitdem Umsetzungen (so z.B. 2005 und 2007) und Generationswechsel gegeben hat, versucht die Gruppe weiterhin eine kontinuierliche antifaschistische und linksradikale Politik über Szenegrenzen hinaus wahrnehmbar zu machen.
Im folgenden Text stellen wir uns kurz vor. Für eine ausführlichere Darstellung unserer Positionen empfehlen wir unser Grundsatzpapier von 2008.

STILL ♥’ING ANTIFA!

Wir als antifaschistische Gruppe verstehen uns als Teil einer internationalen Bewegung. Wir machen klassische Antifa-Arbeit und uns dabei nichts vor – Nazis kommen nicht vom Mond sondern aus dieser Gesellschaft! Nur “gegen Nazis” zu sein hilft nicht weiter – weitere Schwerpunkte unserer Praxis sind daher Antikapitalismus und Antirassismus.

“DIE SONNE IST FÜR ALLE DA, DER STRAND NUR FÜR DIE, DIE ES VERDIENT HABEN!” (City of God)

Es kann nicht ausschließlich Kapitalismus für den ganzen Mist verantwortlich gemacht werden. Staat und Nation sind uns ebenso Feind, wie wir für die Abschaffung von Rassismus, Antisemitismus und Sexismus kämpfen. Diese Ausschluss- und Unterdrückungsmechanismen sorgen gemeinsam und alles andere als isoliert voneinander für die Aufrechterhaltung der bestehenden “Ordnung”.
Wir stellen uns nicht nur gegen sexistische Blumenverkäufer, rassistische Taubenzüchterinnen, antisemitische Esoteriker und gegen den ganzen scheinbar buntscheckigen Haufen, der mit Deutschland kein Problem hat. Im Zentrum der Kritik stehen aber die Verhältnisse, die für diese Erscheinungsformen sorgen.

“WIR KAMEN, WIR SAHEN, WIR TRATEN IHM IN DEN ARSCH” (Dr. Peter Venkman, Ghostbusters I)
Wir organisieren beispielsweise jährlich den antikapitalistischen Block am 1.Mai in Hannover und versuchen damit einen Brückenschlag zu sozialen Kämpfen. Andere gesellschaftliche Gruppen zum Nachdenken aufzufordern, in Kontakt zu kommen und zum Handeln anzuregen ist aber nur ein Teil unserer politischen Praxis. Wir selbst müssen intervenieren, wenn wir die Gesellschaft verändern wollen! Unsere Praxis reicht von Bündnissen, Blockaden und Demonstrationen über Partys, Konzerte und noch viel weiter. Mit unseren monatlichen Antifa-Infoabenden und unseren Infotischen wollen wir nach außen die Transparenz und Regelmäßigkeit transportieren, die für uns als Gruppe wichtig ist.
Wer sagt, unsere Feindschaft zur Allgemeinscheiße und unsere Forderung nach sozialer Revolution sei reine Utopie, hat in Anbetracht der momentane Lage vollkommen recht: Wir sind realistisch und kritisieren das Unmögliche – das Bestehende. Sich und Andere durch Heuchelei und Pseudo-Reformismus zu verarschen, hilft da ebenso wenig weiter wie Verbalradikalismus und besserwisserisches Posing.

“INTERESTING CONCEPT!” (Alf)
Wer nur etwas “gegen Nazis” machen will, ist bei und falsch aufgehoben. In der Verbindung von konkreter Antinazi-Arbeit mit einer revolutionären Agenda liegt unsere Stärke; um radikale Änderungen durchsetzen zu können, muss mensch sich ins Handgemenge werfen! Das geht nur mit verbindlicher Organisierung. Strukturen, in denen es ein ernsthaftes Interesse an verbindlicher Theorie und Praxis gibt, sind kein Bonus sondern unbedingt notwendig, wenn man es ernst meint mit seiner Radikalität. Dennoch und gerade deshalb: Was wir tun, tun wir auch für uns. Im Idealfall bringen sich alle mit ihren Schwerpunkten ein und finden sich in der Praxis der Gruppe wieder.

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