Eschede, da sind wir wieder!
Das letzte Mal haben wir uns im Juni diesen Jahres gesehen. Da war zwar das Wetter besser, doch der Grund unserer Anwesenheit ist der gleiche. Darum soll es auch heute gehen. Denn wer will schon über das Wetter reden? Das erledigen andere.
Wir sind heute hier, damit auch endlich alle mitkriegen, was hier vorgeht. Da ist der Bauer Nahtz mit seinem Hof, kein Kandidat für „Bauer sucht Frau“, sondern überzeugtes und langjähriges NPD-Mitglied. Als wenn das nun nicht schon genug wäre, stellt Herr Nahtz seinen Hof immer wieder der lokalen und überregionalen Naziszene zur Verfügung. So konnte im Juni diesen Jahres bereits die Sommersonnwendfeier der extremen Rechten aus Norddeutschland auf eben diesem Hof gefeiert werden.
Warum überhaupt sowas wie Sonnenwende feiern? Nur weil die Vorfahren von wem auch immer in dieser Gegend schon zu bestimmten Zeiten ihren Müll im grossen Stil verbrannt haben?
Das sich diejenigen, die sich heute auf Hof Nahtz versammeln mit ihren Vorlieben, geschichtlich gesehen, eher in Richtung Höhlenmalerei orientieren, könnte der Grund sein.
Anzunehmen ist aber eher, dass diese „Feiern“ den selbsternannten Herrenmenschen die Möglichkeit geben sich mal richtig abzufüllen und dann wenn sie sich unbeobachtet fühlen, doch mal der Arm zum Hitlergruss hoch geht.
Was auch immer an diesem Wochenende bei Bauer Nahtz vor der Tür passiert, Dennis Bührig aus Celle wird bestimmt mit dabei sein. Bekannt unter anderem wegen seiner Kandidatur für die NPD im Wahlkreis Bergen bei der letzten Landtagswahl.
Der Dennis ist aber nicht nur als NPD-Kandidat und als Mitglied der neonazistischen „Kameradschaft 73“ in Celle bekannt wie ein brauner Hund. In Hannover versucht er sich als Anmelder eines Nazisaufmarsches wichtig zu machen.
Bührig und seine Kameraden sehen sich als Teil einer Volksgemeinschaft. Um diese skurril anmutende Idee auch einer grösseren Offentlichkeit zu präsentieren, will der ideologische Müllhaufen von ’45 am 1. Mai 2009 in Hannover den großen Aufstand proben. Mit ihrem pseudosozialen Anstrich wird der Schulterschluss zwischen Altnazis und neumodischen Autonomen Nationalisten versucht. Dabei bleiben beide, egal ob in Turnschuhen oder Springerstiefeln, in Tracht oder Anzug, das was sie sind: führerfanatische Nazis, die nicht davor zurückschrecken ihre menschenverachtende Ideologie in die Tat umzusetzen, wenn sie die Chance dazu bekommen.
Sie sehen sich und ihre Volksgemeinschaft, ihr Blut und ihren Boden, in ständiger Gefahr. Sie predigen ihren Zuhörern noch nicht mal ein besseres Leben – nicht die Vorstellung einer besseren Gesellschaft, sondern Krieg und Vernichtung, Mord und Todschlag. Das dazu benötigte Feindbild wird sich so konstruiert wie es muss: Wen sie für nicht deutsch genug halten, ist für sie das Problem. Da sind es wie in Mügeln die MigrantInnen oder Menschen mit Behinderungen, sogenannte SozialschmarotzerInnen, alternative Jugendliche, Linke und im Endeffekt die jüdischen Bankiers, die Volk und Vaterland attackieren. Genau wie die Liste von faschistischen Feindbildern kennt der gesamtgesellschaftliche Zuspruch kein Ende.
Genau das ist was die Nazis wollen: den Applaus der breiten Masse. Damit das noch besser klappt, sehen sie jetzt auch mal gerne sportlich aus und tragen vielleicht sogar die gleichen Kamotten wie wir. Doch was sie inhaltlich vertreten ist der gleiche Scheiss, der an Stammtischen, in Parlamenten und an jedem anderen Ort in Deutschland erzählt wird.
Die Entstehung von organisierten Nazistrukturen können nicht von einem gesellschaftlichen Konsens abgetrennt werde, der dies erst möglich macht. Mehr noch: die, auf dem Prinzip der Konkurrenz basierende, bürgerliche Gesellschaft enthält lauter Ansätze für faschistische Tendenzen. Deswegen entstehen Nazis nicht am rechten Rand, sondern in der schönsten und idyllischsten Mitte der bürgerlichen Gesellschaft- so gerne auch immer das Gegenteil behauptet wird.
Da soll also einiges auf uns zu kommen… und es wird auch geklatscht werden in Hannover, wenn auch keinen Beifall. Wir erinnern uns an den 1. Mai 2008 in Hamburg als Tausende von Menschen mit unterschiedlichen Aktionen dafür sorgten, dass der braune Wanderzirkus nicht die gewohnte Vorstellung abliefern konnte.
Antifa machen wir an 365 Tagen im Jahr und fangen nicht erst an, wenn Nazis an symbolischen Tagen durch diese oder jene Innenstadt marschieren wollen. Auch in ländlichen Gebieten, wo sie sich sicherer wähnen, ist auf antifaschistische Arbeit vor Ort nicht zu verzichten.
Deshalb ist es auch so richtig, dass wir heute hier sind um zu zeigen, dass Nahtz, Bührig, Hellmund und wie sie alle noch heissen mögen, nicht erwünscht sind. Nicht hier und auch sonst nirgendwo!
Und genau aus diesem Grund rufen wir euch auf am 1. Mai 2009 nach Hannover zu kommen und genau das gleiche zu tun. Den Nazis zeigen, dass sie unerwünscht sind, weder in Eschede noch in Hannover!
Egal wann, egal wo – mit allen Mitteln und auf allen Ebenen!
Nazitreffen und -aufmärsche verhindern!
Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit!





