Die niedersächsische NPD kündigt für den 2. April in Verden und für den 18. Juni in Braunschweig Aufmärsche an. Das Motto – “Sozialabbau, Rentenklau, Korruption – nicht mit uns!” – ist dasselbe wie bei dem Aufmarsch in Hannover im Oktober des letzten Jahres.
Doch es gibt noch mehr Gemeinsamkeiten. Wie auch schon in Hannover versuchten die etablierten PolitikerInnen nicht mal im Rahmen ihrer juristischen Möglichkeiten gegen den Aufmarsch vorzugehen, aber was wollen wir schon von Bürgermeister Brockmann (SPD) erwarten, für den es am schlimmsten ist, „dass Neonazis das Bild unserer Stadt Verden verzerren”.
Die CDU hat ähnliche Ängste, wenn sie sich um ihr schönes Städtchen sorgt. Sie hat Angst vor linken “Chaoten”, die “Krawall wollen” (Weser Kurier v. 25.03.05).
Damit machen sie sich lächerlich, denn würde es sich um einen glaubhaften Kampf gegen Faschismus handeln, müsste sich Protest dagegen auch glaubhaft äußern.
Doch den PolitikerInnen liegt viel mehr daran, ihr Idealbild von einem idyllischen Verden hochzuhalten. Wenn heute NPD und Konsorten hier aufmarschieren ist das nur die Spitze eines Eisbergs. Denn auch wenn Faschisten nicht im Pulk durch die Stadt hampeln, sind sie präsent. Sie stellen eine Bedrohung für alle dar, die nicht in ihr dumpf-deutsches Weltbild passen. Ob es sich dabei um Linke, MigrantInnen oder SchülerInnen handelt, die keinen Bock auf Nazipropaganda an ihren Schulen haben, ist ihnen egal!
Der bekannte Neonazi-Anwalt Jürgen Rieger hat den Heisenhof bei Verden gerade deshalb gekauft weil es in der Region schon lange gefestigte faschistische Strukturen gibt. Der Stützpunkt der Jungen Nationaldemokraten (JN) gilt als Vorzeigebeispiel innerhalb der NPD.
:::”Capitalism stole my virginity” (The (international) Noise Conspiracy)
Nicht erst seit den Protesten gegen Sozialabbau versuchen die Neonazis linke Themenfelder und Aktionsformen für sich zu vereinnahmen. Ihr „Deutscher Sozialismus“ ist nichts anderes als der Gedanke einer „Volksgemeinschaft“. Dieser Gedanke bedeutete in der NS-Zeit die systematische Vernichtung von über sechs Millionen Menschen.
Faschismus war und ist eine reaktionäre und unmenschliche Antwort auf die Krisen des Kapitals.
Heute wie damals sind die Widersprüche im kapitalistischen System der Grund für Ungerechtigkeit weltweit. Einer dieser Widersprüche zeigt sich am Beispiel Schule. Der Unterricht ist darauf ausgerichtet, aus SchülerInnen Arbeitskräfte zu machen. Ihre Arbeitskraft soll später möglichst gewinnbringend eingesetzt werden. So wird das kapitalistische System aufrechterhalten. Mit Freiheit hat das nichts zu tun! Menschen werden in diesem System auf den Wert reduziert, den sie als Arbeitskraft haben. Dabei sind sie gezwungen, ständig mit anderen Menschen zu konkurrieren; egal ob es um bessere Noten oder den besser bezahlten Arbeitsplatz geht.
Kapitalismus ist ein System, dem zwar egal ist, welche Hautfarbe die billigsten Arbeitskräfte haben, das sich aber anhand von Kriterien wie “Rasse”, “Geschlecht” und “Nation” Mechanismen geschaffen hat, um möglichst viele billige und möglichst wehrlose Arbeitskräfte zur Verfügung zu haben.
Anstatt sich diesem System tatsächlich entgegenzustellen, sehnen sich die Faschisten nach einem imaginierten nationalen Kollektiv, erhoffen sich dort die Geborgenheit einer “Volksgemeinschaft” und nehmen alles, was von außen kommt, als feindlich wahr. Um gezielt Menschen anzugreifen fehlt dann nicht mehr viel – nur Promille.
Dabei ist der gesellschaftliche Mainstream zumeist nicht weniger rassistisch, doch traut sich die Mehrheit noch nicht immer, dieses auch jenseits von Leserbriefspalte und Stammtisch offen auszuleben.
::: “I’m going to burn this city!” (Franz Ferdinand – This Fire)
Für uns ist klar, dass die Faschisten gestoppt werden müssen. Wir werden nicht zusehen, wie die NPD versucht sich als soziale Alternative darzustellen, dabei ist es egal wofür oder wogegen sie demonstrieren.
Sie wollen eine politische Macht werden, die das genaue Gegenteil von dem will, was wir für die Zukunft erstreben. Wir wollen eine Welt ohne Ausbeutung, Unterdrückung und Krieg. Für uns ist es deshalb klar, dass wir unseren Protest da artikulieren wo er hingehört – direkt an der Route der Neonazis!
Das Verhindern von Naziaufmärschen ist nicht mehr als Symptombekämpfung. Die Wurzeln von Faschismus liegen in der Realität des kapitalistischen Systems.
In einer solidarischen Gesellschaft haben Faschisten definitiv keinen Platz. Da sie in extremer Form übernehmen, was die herrschende Politik vorgibt, muss der antifaschistische Kampf immer auch ein antikapitalistischer sein.
Wir empfehlen:
NAZIaufmAERSCHEn entgegenTRETEN !
Kapitalismus abschaffen !
Schliessen wir uns zusammen – gemeinsam sind wir stark!
Gegen ein Spaltung in „gute und böse“ AntifaschistInnen!
Antifaschistische Aktion Hannover [AAH]





